Maria im Strahlenkranz Im Doberaner Münster, dem bedeutenden Zisterzienserkloster, das jüngst einen Antrag gestellt hat, zum Weltkulturerbe gezählt zu  werden, findet sich das Vorbild auch unserer Petersdorfer Maria. Gleich zwei solche Figuren haben wir, eine im Hochaltar, die andere jetzt ihr gegenüber.  Die Doberaner Marienfigur ist um 1310 gestaltet worden und stand dort zunächst genau wie bei uns heute noch in Petersdorf im Hochaltar. Warum gibt es bei uns die gleiche Figur zweimal? Und was bedeutet sie? Maria ist die „Königin des Himmels“, Anführerin der Heiligen. Wie ist sie dazu geworden? Ist das noch biblische Botschaft? Maria ist in den Evangelien oft erwähnt und spielt als Mutter Jesu  eine große Rolle. Weil sie die Mutter Jesu Christi ist, der Mensch und Gott ist, nannte man sie  schon früh Gottesgebärerin, Mutter Gottes. Auch in unserem Glaubensbekenntnis sagen wir  von Jesus: „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“. Maria war der Mensch, aus dem der Gottessohn seinen Leib empfing. Maria wurde damit zum Sinnbild der erwählten und erlösten Menschheit. Mit der Zeit schrieb man ihr vieles von dem  zu, was zuvor von Christus allein gesagt wurde: Sie galt schließlich als Fürbitterin der bittenden Menschen, als Haupt der Apostel, Königin der Heiligen. Es entwickelte sich ein eigener  Festkalender Marias, das Marienjahr. Außerdem ist Maria Symbol der glaubenden Kirche geworden, als solche ist sie die „Braut“  Christi. Das Gebot: „Du sollst Gott über alle Dinge lieben“ fand in ihr sein Bild. Unsere Darstellung mit Sonne und Mond bezieht sich auf eine Deutung des apokalyptischen  Kapitels 12 der Offenbarung. Dort wird von einer Frau am Himmel erzählt, die mit der Sonne bekleidet wäre und den Mond zu ihren  Füßen hätte. Auf ihrem Haupt trägt sie eine Krone mit zwölf Sternen. Sie ist schwanger und gebiert ein Kind. Der Drache als Bild des  Teufels will das Kind fressen, doch da besiegt ihn der Engel mit Namen Michael (Der Name bedeutet: „Wer ist wie Gott?“). Die mittelalterliche Kirche deutete diese schwer zu verstehende Stelle auf Maria. Das Kind ist Christus. Sonne umgibt sie, denn in den  Psalmen ist von Gott gesagt, dass Licht sein Kleid sei, warum dann nicht auch von der Gottesmutter? Sie setzt ihren Fuß auf den Mond, - in unserem Bild Symbol für das Böse. Unser Bild meint also Hoffnung, Überwindung des Bösen, Erlösung. Diese Maria glaubte man, bitten zu können. Man betete sie nicht  an wie Gott, aber man kam zu ihr mit allen möglichen Bitten und versprach sich davon, dass Gott ihnen durch Marias Fürsprache helfen würde. Unser Marienbild war demnach nicht einfach ein Kirchenschmuck, sondern Teil des Betens, Liturgie, Gottesdienst. Es wird im  Mittelalter nicht wie heute hoch oben, der Gemeinde abgewandt aufgehängt gewesen sein, sondern an einer Seitenwand für die  persönliche Zwiesprache. Maria war bis zur Reformation die stille Ansprech-partnerin vieler Menschen unserer Kirche. Leider ist heute die Farbe der Figur in schlechter Verfassung, so dass ihre Schönheit nicht gut wahrzunehmen ist. Ich habe mir erlaubt, das Foto etwas zu retuschieren (Pastor Dr. Martin Grahl), damit wenigstens die großen Farblücken an Gesicht und Händen bedeckt sind. Martin Luther schrieb dieses Lied über Maria: Sie ist mit lieb, die werte Magd, und kann ihr’s nicht vergessen. Lob, Ehr und Zucht von ihr man sagt; sie hat mein Herz besessen. Ich bin ihr hold, und wenn ich sollt groß Unglück han,  da liegt nicht an, sie will mich ergötzen mit ihrer Lieb und Treu an mir, die sie zu  mir will setzen, und tun all mein Begier. Sie trägt von Gold so rein ein Kron, da leuchten drin zwölf Sterne. Ihr Kleid ist  wie die Sonne schön, das glänzet hell und ferne, Und  auf dem Mond ihr‘ Füße stehn. Sie ist die Braut, dem Herrn vertraut; Ihr ist weh, und muss gebären ein schönes Kind, den edlen  Sohn, und aller Welt ein Herrn, dem ist sie untertan.  Das Alter unseres Schnitzwerkes ist ungewiss, man nimmt das 15. Jahrhundert an. Auf Fehmarn gibt es mehrere solcher Darstellungen, die mit Abstand größte von ihnen befindet sich in der Burger Kirche.